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"Der Onkel aus Amerika" ist da!
(05.05.2006)
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Bürgermeister Helmut Manzenreiter, Initiator der Schau, eröffnete Donnerstag, 4. Mai, im Bambergsaal des Parkhotels bei großem Publikumszuspruch die Sonderausstellung "Der Onkel aus Amerika" (bis 31. Oktober). Schauplätze der Präsentation ist neben dem Museum der Stadt Villach (Widmanngasse) auch der öffentliche Raum, und zwar der Hauptbahnhof, die Stadtbrücke, der Hauptplatz und Rathausplatz.
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Die Eröffnungsfeier gestaltete sich zu einem berührenden Ereignis. Die Darstellung der Schau löste bei vielen Besucherinnen und Besuchern ganz persönliche Emotionen und Erinnerungen an die eigene Familiengeschichte aus.

Eröffnungsfeier im Bambergsaal
Während der stimmungsvollen Eröffnungsfeier im Bambergsaal des ehemaligen Parkhotels: Von links Bürgermeister Helmut Manzenreiter, Sheila Coutts (Kanadische Botschaft), Projektorganisator Dr. Werner Koroschitz, Judy und Dennis Buttinger. (Fotos: Oskar Höher)

„Augen, Ohren und Gedanken öffnen“
Bürgermeister Helmut Manzenreiter wies in seinen Ausführungen auf die weltweiten Migrationsbewegungen, ihre Ursachen und auf die Menschenrechte, die es in diesem Zusammenhang stets zu wahren gilt. „Die Ausstellung soll ein Beitrag dazu sein, dass die Menschen ihre Augen, Ohren und Gedanken öffnen, und ein natürlich auch ein Beitrag zur Versachlichung der Aktuellen Diskussionen um Asyl und Migration, indem die Kärntner Auswanderungsbewegung nach Nordamerika historisch dokumentiert werden.“

„Viel Leben in die Diskussion“
Sheila Coutts, die Vertreterin der kanadischen Botschaft in Österreich, anerkannte mit großem Lob das Engagement unserer Stadt in der Auswandererfrage und dass mit der Ausstellung „viel Leben in die Diskussionen gebracht wird“. Die beeindruckende Ausstellung werde in ihrer Wirkung weit über Villach hinausreichen. „Kanada wäre nicht Kanada, wenn es nicht die vielen Einwanderer gegeben hätte“, sagte Coutts. Die Volkszählung 2001 hätte ergeben, dass sich 25.000 kanadische Staatsbürger im Sinne eines gemeinsamen Erbens als direkt aus Österreich kommend deklariert hätten.

Riesenposter sollen auf die Sonderausstellung aufmerksam machen.
Vor dem Museum der Stadt Villach, wo das Riesenposter auf die Sonderausstellung aufmerksam macht.

Dennis Buttingers Familiengeschichte
Stellvertretend für die Amerika-Auswanderer sprach Dennis Buttinger sehr bewegende Grußworte. Er zeichnete seine Familiengeschichte. Seine Eltern, der engagierte Sozialdemokrat Alois Buttinger und seine Gattin Friedl, haben 1938 nach der Nazi-Machtübernahme Villach auf abenteuerlichen Wegen fluchtartig über Italien, die Schweiz, Frankreich und England Richtung USA verlassen. Nobelpreisträger Albert Einstein bürgte für das Paar. Geprägt von den Villacher Kinderfreunden im „Sonnenhof“ gründeten die Buttingers in harter Arbeit in der Folge ihr eigenes Kindercamp „Hillcroft“. Nach Kriegsende wurden auch Villacher Familien mit Überlebenspaketen, die Buttinger nach Europa schickte, versorgt.

Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erkennen auf den Bildern den einen oder anderen Auswanderer wieder.
Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erkennen auf den Bildern den einen oder anderen Auswanderer wieder.

Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten
Besonders in der Zeit von 1900 bis Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts emigrierten Tausende Kärntnerinnen und Kärntner nach Übersee. In den meisten Fällen waren es die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Heimat, welche die Menschen zu dem risikoreichen Entschluss auszuwandern fassen ließen. Zudem mussten in den Jahren von 1934 bis 1945 so manche Kärntner das Land wegen politischer oder rassischer Verfolgung verlassen.

Tradition kritischer Geschichtspräsentation
Mit dem „Onkel aus Amerika“ möchte die Stadt Villach nicht nur ihre Verbundenheit mit den vielen Landsleuten in Übersee zum Ausdruck bringen, sondern darüber hinaus im Besonderen auch ihre Tradition kritischer Geschichtspräsentationen zu aktuellen Fragestellungen fortsetzen.

7000 Auswandererexponate wurden zusammengetragen.
Rund 7000 Auswandererexponate – originale und persönliche Schauobjekte –  wurden zusammengetragen.

100 Auswanderer besucht und interviewt 
Um dem Thema „Emigration“ zu entsprechen, wurden für den „Onkel aus Amerika“ auch in Übersee (USA und Kanada) seit dem Jahre 2002 umfangreiche Recherchen vorgenommen. Neben zahlreichen amerikanischen Archiven wurden über 100 in Nordamerika lebende Auswanderer besucht und interviewt. „Die Ausstellung geht aber nicht nur den Beweggründen nach, die den Einzelnen zur Auswanderung veranlassten, sondern skizziert auch den mühsamen und entbehrungsreichen Alltag von Kärntner Emigranten, ihre Sprach- und Integrationsprobleme, die oft überaus schwierige Arbeits- und Wohnungssuche“, sagt Projektorganisator Dr. Werner Koroschitz, Verein Industriekultur und Alltagsgeschichte.

Die Eröffnung und Besichtigung der Sonderausstellung gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis.
Die Eröffnung und Besichtigung der Sonderausstellung gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis.

Ausstellungskatalog
Die Beiträge des Kataloges und der Ausstellung nähern sich dem Phänomen der Migration anhand zahlreicher Auswanderungsbiographien. Aus der Vielzahl dieser Geschichten, die in Briefen, Fotos, Tagebucheintragungen und Interviews vorliegen, ergibt sich eine Gesamtdarstellung, die verdeutlicht, dass die Kärntner Amerikawanderung nicht als Einzelerscheinung, sondern als Teil einer europäischen Migrationsbewegung zu begreifen ist. Während der Dauer der Ausstellung werden auch etliche originale und persönliche Schauobjekte – insgesamt wurden über 7000 Auswandererexponate archiviert – zu sehen sein, die von ausgewanderten Kärntnern oder von deren daheim gebliebenen Angehörigen zur Verfügung gestellt wurden.

Bürgermeister Helmut Manzenreiter
Bürgermeister Helmut Manzenreiter während seiner Eröffnungsausführungen.

 :wissenswertes

Museum und Hauptbahnhof
Die Ausstellung „Der Onkel aus Amerika“ wird im Museum unserer Stadt und im öffentlichen Raum präsentiert, weil Auswanderung inhaltlich immer mit Orten, Plätzen, Wegen und Straßen korrespondiert. Auch der Hauptbahnhof wird als zentraler Ort in die Ausstellungsarchitektur mit einbezogen.

Symbolhafte Draubrücke
Eine weitere symbolhafte Örtlichkeit der Ausstellung ist die Draubrücke. Der Fluss imaginiert dabei die Schiffspassage von der Alten in die Neue Welt, von der alten in die neue Heimat. Entlang des Hauptplatzes wird ein Leitsystem zur Ausstellung platziert, worin klischeehafte Amerikaträume nachempfunden werden.

Persönliche Hoffnungen
Am Rathausplatz werden ganz persönliche Hoffnungen und Träume, die mit einer Auswanderung nach Amerika verknüpft waren, dem Publikum zugänglich gemacht. Im Museum wird neben der Geschichte der Emigration auch der für die Ausstellung produzierte Dokumentarfilm über die in Übersee lebenden Auswanderer aus Kärnten gezeigt.

Informationen und Kontakte:
Stadt Villach, Projektbüro
Dr. Josef Neugebauer
T +43 (4242) 205-1720
F +43 (4242) 205-1799
E projektbuero@villach.at
www.deronkelausamerika.at

Sightseeing in Chicago
Sightseeing in Chicago: Simon Woschitz mit seinem Neffen Anton (7. Juni 1953).

Auswanderer

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