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Sonderausstellung
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Villach und die Welt Villach und die Welt
Historische Landkarten, Ansichten und Pläne

Sonderausstellung im Stadtmuseum
Mai - Oktober 2010

Inhaltliches Konzept: Dr. Dieter Neumann und Dr. Kurt Karpf
Ausstellungsdesign: Mag. Fritz Rathke
Graphische Gestaltung: Wolfgang Daborer und Melanie Joch, Die ARGEntur, Spittal an der Drau
3-D-Flug über Kärnten: mit freundlicher Unterstützung von Ing. Thomas Suntinger und dem Nationalpark

Die Ausstellung
Als Zentrum des Handels und Verkehrs inmitten Kärntens ist die Brückenstadt Villach stets auch in Landkarten aus vergangenen Zeiten enthalten. Die Sonderausstellung zeigt anhand eigener Bestände des Stadtmuseums historische Landkarten, Pläne und Ansichten von Villach, von Kärnten und von vielen anderen Ländern und Erdteilen.
Aus dem halben Jahrtausend vom 16. Jahrhundert an stammen diese Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien und Luftaufnahmen, die hier im Original, aber vor allem durchwegs in Vergrößerungen und Ausschnittreproduktionen präsentiert werden. Sie zeigen, wie den Europäern allmählich die gesamte Welt bekannt wurde und wie sich Staats- und Besitzverhältnisse geändert haben.
Für die Stadt Villach sind die einstige Gestalt und die umfangreiche Veränderung dokumentiert, die vor allem durch das in der Zeit ab 1864 einsetzende dynamische Wachstum bewirkt wurde, das bis in die Gegenwart anhält.
Die Ausstellung beruht mit Ausnahme einiger aktueller Planungsgrundlagen auf eigenen historischen Beständen des Museums. Die getroffene Auswahl bietet im Hinblick auf das unerschöpfliche Thema kein umfassendes Kompendium des Villach, Kärnten oder gar die Welt darstellenden Materials, aber doch vielfältigen Einblick in die Wandlungen der kartographischen Weltanschauung.

Landkarte Gibraltar
Gibraltar mit einem Seegefecht von 1704.

Villach von oben
Landkarten und kleinmaßstäbige Grundrisspläne bieten stets eine Darstellung des Geländes von oben, gleichsam aus der Vogelschau. Da Villach anders als die Städte Salzburg, Graz, Friesach oder Gmünd keinen zentrumsnah aufragenden Burgberg hat, war dieser Anblick durch viele Jahrhunderte nur durch abstrahierende Vorstellung oder eventuell vom Stadtpfarrturm zu erzielen, bis im frühen 20. Jahrhundert Flugzeuge diesen Blick von oben tatsächlich ermöglichten.
Mit dem 1915 wegen des Kriegs mit Italien östlich des Stadtzentrums zwischen dem Krankenhausgelände und Seebach angelegten Militärflugplatz wurden bis 1918 Flugzeuge über der Stadt zum vertrauten Anblick. Als Nebenprodukt der Luftaufklärung entstanden damals die ersten Fotos aus großer Höhe. Sie wurden mit einer imposanten Zeiss-Fliegerkamera aufgenommen, die sich im Museumsbestand erhalten hat.
Die Ansätze für zivilen Linienflugverkehr in Villach während der zwanziger Jahre waren nicht von Dauer, da die folgende Wirtschaftskrise diesen hemmte und die technische Entwicklung der Reichweiten bald eine andere Richtung nahm. Im II. Weltkrieg wurde Villach seit dem 25. Juli 1944 oft zum Ziel amerikanischer und britischer Bomber, die in Süditalien stationiert waren. Die dabei entstandenen Zerstörungen sind gleichfalls durch Luftaufnahmen dokumentiert.
Die älteste, planähnliche Vogelschau-Darstellung von Villach ist als Kupferstich von 1649 in der Österreichischen Topographie des Matthäus Merian enthalten. Maßstabgenaue Pläne gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Der „Stabile Kataster“ von 1826 ist dabei bis in die Gegenwart wichtig. Gedruckte Villacher Stadtpläne für touristische Zwecke und für den Schulgebrauch gab es ab 1910 und seither in vielfältigen Formaten.

Fliegeraufnahme
Villach Stadtzentrum Fliegeraufnahme Winter 1917

Ansichten der Welt
Das Mittelmeer galt seit der Antike und durch sehr lange Zeit für die europäischen Kulturen als Zentrum der Welt. Erst am Ausgang des Mittelalters weitete sich mit den Entdeckungsfahrten längs der afrikanischen Küste und hinaus in den Atlantischen Ozean dieser ganz europazentrierte Horizont.
Die Meerenge bei Gibraltar war eine Schlüsselstelle beim Aufbruch in die unbekannte und lange Zeit bedrohlich gedachte Ferne. In der Zeit um 1710, aus welcher die die an der Stirnwand gezeigte Großformatdarstellung der Meerenge stammt, war die Fahrt über den Atlantik nach Amerika und jene um Afrika allerdings schon längst üblich.
Die Atlaskarte der „Fahrt von Cadix nach Malaga“ des Augsburger Verlegers Gabriel Bodenehr (1664-1758) zeigt als dekoratives Beiwerk ein Seegefecht von 1704. Damals während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) zwischen den Österreichern, Engländern und der bourbonisch-französischen Gegenseite wurde Gibraltar dauerhaft britisch.
Die gezeigte Auswahl von die europäische und außereuropäische Welt darstellenden Landkarten beginnen mit Holzschnittkarten, wie sie in der Cosmographie Sebastian Münsters (1488-1552) enthalten sind. Diese in Basel gedruckte, erstmals 1544 erschienene Weltbeschreibung ist noch auf Europa und die Alte Welt konzentriert. Der Verfasser betonte jedoch, dass „kurzweilig zu lesen sey, besunder was Asiam, Indiam, die neuen Inseln und Africam antrifft“.
In der folgenden Zeit bis weit ins 19. Jahrhundert war der Kupferstich bzw. die Radierung, beides Tiefdrucktechniken, bei Landkarten üblich. Sie ermöglichten weit feinere Darstellungen als die Holzschnitte. Die Auswahl an Karten, die das alte Österreich, europäische Länder und andere Erdteile darstellen, zeigen, wie sich die Kenntnis der Welt bis ins 19. Jahrhundert erweitert hat und wie für Europäer noch völlig unbekannte Länder sich in den Karten von 1827 auf Zentralafrika, das arktische Nordamerika, das Innere Australiens oder auf die Antarktis beschränkten.
Soweit Staatsgrenzen und Kolonialbesitz in den topographischen Karten verzeichnet sind, sind daraus völlig andere Konstellationen als heute zu erkennen. In Europa gilt dies besonders für das einst großräumige Österreich, das mit unserem gegenwärtigen seit dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 nur den Namen gemeinsam hat.

Cosmographie
Europa aus der Cosmographie des S. Münster 1544

Kärnten im Kartenbild
Sowohl Kärnten als auch Villach kommen schon im Mittelalter in großmaßstäbigen Karten als Begriffe vor. Die früheste Landkarte Kärntens, die tatsächlich erhalten blieb, ist „Carinthiae ducatus cum palatinatu Goriciae“ des Wiener Gelehrten Wolfgang Lazius (1514-1565) in einem Österreich-Kartenwerk von 1561. Sie wurde in viele andere Atlanten übernommen. Ähnliches gilt für den erstmals 1585 in Duisburg erschienenen Atlas Gerhard Mercators mit einer Salzburg und Kärnten darstellenden Karte.
Bei allen Landkarten vergangener Jahrhunderte war die Darstellung von Gebirgen lange Zeit ungelöst. Auch bei der Wiedergabe der Alpen konnte man sich nur mit naturfernen Felsschroffen- und Hügelsignaturen behelfen. Erst im späten 18. Jahrhundert wurden die Gebirgstopographie durch „Schraffen“ und „Schummerung“ versucht und dabei bessere Wiedergabe erzielt.
Während die 1782 von Georg B. Hacquet geschaffene Regionalkarte des westlichen Slawengebietes trotz Bemühens um anschauliche Gebirgsdarstellung noch in der Tradition verharrte, zeigte besonders die Generalstabskarte von 1842 erstmals anschaulich und weithin richtig die Gebirgstopographie schraffiert in Draufsicht.
Während die kartographische Darstellungsweise sich allmählich weiter entwickelt hat, blieben Kärntens Größe und Außengrenzen seit dem 16. Jahrhundert lange unverändert. Im Landesinneren zeigt ein Teil der historischen Karten jene Gebiete, die (bis 1759) dem Fürstbistum Bamberg und jener die (bis 1803/1805) dem Erzbistum Salzburg gehörten. Die einst für Villach wichtigen bambergischen Besitzungen in Kärnten sind jedoch durchwegs mit unzutreffenden Grenzen verzeichnet. Ein Sonderfall für Oberkärnten war die Zeit von 1809 bis 1813, als dieses Gebiet zu den französisch-illyrischen Provinzen gehörte.

Villach als Planungsraum
Die ältesten Villacher Stadtpläne dienten zur Dokumentation des jeweiligen Istzustandes, der vor allem für die Bemessung von Steuern und Abgaben dienen sollte. Auch die Vermessung für den „Stabilen Kataster“ von 1826 hatte solche Motive. Genaue Pläne der Stadt und ihres Umlandes können jedoch auch Grundlage für Planungen sein, mit denen künftiges Stadtwachstum in geordneten Bahnen gehalten wird.
Während sich Villach vom Mittelalter bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts kaum verändert, sondern stagniert hatte, wurde mit dem Anschluss an die Eisenbahn 1864 und dem einsetzenden dynamischen Wachstum solche Planungen notwendig. Der von Eugen Faßbender 1906 vorgestellte Stadtentwicklungsplan war richtungweisend. Diese von Zukunftsoptimismus bestimmte Planung ist jedoch nach dem I. Weltkrieg in wesentlichen Teilen unrealistisch geworden. Zum Projekt von 1906 gehört unter anderem die Ossiacher Zeile, die damals als leistungsfähige Verkehrslinie geplant und in mehreren Abschnitten bis 1939 realisiert wurde.
Eine Neufassung des Verbauungsplanes folgte 1930. Nach den vielfältigen Kriegszerstörungen entstand 1948 ein Regulierungsplan für die Altstadt und 1950 ein neuer Flächenwidmungsplan. Auf die umfangreiche Gemeindestrukturreform mit den Eingemeindungen von 1973 reagierte die 1982 beschlossene Richtlinie. Das Jahr 2010 bringt mit dem neuesten Flächenwidmungsplan einen wiederum aktualisierten Rahmen für künftige bauliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Villach. Der in Projektion gezeigte, individuell über Touchscreen steuerbare Flug (vom Nationalpark beigestellt) ermöglicht wieder die Betrachtung ganz Kärnten, und das auch in beliebig vielen Einzelheiten.

Stadtplan von 1929
Stadtplan von 1929

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